Cloud Computing

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Cloud Computing ist ein abstrakter Überbegriff, der den Zugriff auf Dienstleistungen, die On-demand über das Internet angeboten werden, beschreibt. Der Begriff der Cloud (dt. Wolke) wird hierbei metaphorisch eingesetzt, da der Anwender zum einen nicht wissen muss, wo die von ihm genutzten Dienste gerechnet werden. Es geschieht „in den Wolken.“ Zum anderen werden Netze in Netzwerkdiagrammen häufig vereinfacht als Wolke dargestellt. Der Anwender nutzt auf seinem Endgerät lediglich Standardanwendeungen. z.B. Browser und die Internetverbindung um die verschiedenen Dienste in Anspruch zu nehmen. Die Dienste werden über verteilte Rechenzentren angeboten, die von überall über das Internet erreicht werden können. Dabei benötigt der Anwender kein Wissen über die Technologie und die Infrastruktur, die er benutzt.


Enstehung

Der Begriff Cloud Computing setzt sich aus zwei Wörtern zusammen, der Cloud (dt. Wolke) und Computing (dt. rechnen). Das Wort Cloud wurde bereits in den 60er Jahren im Zusammenhang mit dem Telefonnetz als Synonym für ein Netz auf. Es bezeichnete seiner Zeit das komplette Telefonnetz, welches von außen als ein System wahrgenommen wurde, während es von innen als ein hochkomplexes Gebilde von verschiedenster Technik entstand. Für den Benutzer, also den Telefonierenden war nicht klar, über wieviele Leitungen, Vermittlungsstellen und Schaltungen er zu seinem Gesprächpartner fand, sondern er wählte sich in das Telefonnetz ein, in die Cloud.

Ebenfalls in den 60ern hat John Mc Cartney, Pionier und Mitarbeiter des MIT spekuliert, dass Rechenkraft einestages als Allgemeingut zur Verfügung stehen würde, so wie Strom heutzutage.

Bis ins Jahr 1999 war es um den Begriff der Cloud dann relativ ruhig. Salesforce.com, Pionier auf dem Gebiet des Cloud Computings, entwickelte damals erste Konzepte zu "On Demand" und "SaaS" (Software-as-a-Service). Diese beschrieben erste Ansätze wie man den Nutzern Software bzw. Dienstleistungen auf Abruf zur Verfügung stellen könnte.

2001 hat IBM diese Konzepte aufgegriffen, und sie im Rahmen einer Forschungsarbeit zum "Automatic Computing Manefesto" erweitert. Diese Arbeit beschreibt, wie Computersysteme autonom arbeiten können, d.h. sich selbst auf den neuesten Stand bringen, pflegen und erweitern.

2002 erschien der erste große Spieler im Bereich des Cloud Computings. Amazon, der beliebteste Bücherhändler der Welt, hatte enorme Rechenzentren über den ganzen Globus verteilt. Diese hatten seiner Zeit riesige Rechenpower - die die meiste Zeit nicht ausgelastet wurde. Man überlegte also, was man mit der vorhandenen Rechenpower machen könnte, um sie nicht zu vergeuden. Der Entschluss, seine überflüssige Rechenpower der ganzen Welt gegen Bezahlung in Form der Amazon Web Services anzubieten, ist einer der größten Meilensteine in der Geschichte des Cloud Computings. Auch heute noch ist Amazon einer der größten Anbieter dieses Services.

In der Zeit bis 2007 sprangen immer mehr, mehr oder weniger bekannte Anbieter mit eigenen Angeboten auf den Zug. 2007 starten IBM und Google zusammen eine Forschungsarbeit, die sich mit den Möglichkeiten des Cloud-Computings beschäftigen.

Im Jahr 2008 wurde ein kleiner Rückgang der Unternehmens eigenen IT beobachtet. Ein Trend der der Cloud zu mehr Verbreitung hilft.

Vorteile

  • Nutzer braucht nicht in eigene Soft- und Hardware investieren
  • Nutzer braucht sich nicht um den Betrieb kümmern (dies ist durch Service-Level-Agreements geregelt)
  • Nutzer erhalten je nach Preismodell eine genaue Abrechnung nach Nutzung (in soweit hat sich John Mc Cartney prophezeiung also erfüllt, denn Nutzer zahlen heute wie beim Strom, nur die tatsächlich genutzte Rechenpower)
  • Die Anbieter haben sich in der Regel auf ein geringes Maß an Produkten spezialisiert -> hohe Qualität der Dienstleistung
  • Auf beiden Seiten gibt es ein einormes Kostensparpotential
  • Tranparente Kostenmodelle für den Nutzer
  • Rechenpower wird optimal ausgenutzt
  • Nutzer erhalten mehr Flexibilität und können so auf den Markt reagieren

Nachteile

  • In der Regel entsteht eine Vertragsabhängigkeit
  • Die Internetanbindung ist das Nadelöhr der Anwendung (Performanz und Verfügbarkeit leiden bei geringer Bandbreite)
  • Auslagerung von (unternehmenskritischen) Daten birgt unter Umständen ein hohes Risikopotential

Risiken

Die Risiken, die beim Einsatz von Cloud Computing auftreten können, sind zahlreich[1]. Man weiß als Anwender nicht, wo die eigenen Daten abgespeichert sind und kann dies nicht mal auf ein Land beschränken . Dies kann zu unerwünschten Effekten führen, da die Datenschutzbestimmungen in vielen Ländern nicht klar sind. Auch ist nicht bekannt, wessen Daten noch an der gleichen Stelle stehen und wer eventuell noch Zugriff auf die Daten hat. Die Möglichkeit, das ein Administrator den Zugriff hat ist sicherlich vorhanden, allerdings ist es nicht auszuschließen, dass auch Geheimdienste Zugriff auf die Daten haben. Ein weiteres Risiko ist, dass der Anbieter in die Insolvenz fällt und die Daten somit nicht mehr verfügbar sind oder, dass das Unternehmen verkauft wird und die Daten an ein Unternehmen geht, dass keinen Zugriff darauf erlangen sollte. Auch ist zu erwähnen, dass noch keine klaren SLAs vorhanden sind, was die vorherigen Punkte betrifft.

Unternehmenseinsatz

Der Vorteil für Unternehmen ist sicherlich, dass nur die Dienste bezahlt werden müssen, die auch in Anspruch genommen werden. So ist einfacher möglich zu skalieren, da bei zu erwartender Last einfach die zusätzliche Leistung zugekauft werden kann. Auch kann durch die Reduktion der eigenen Systeme Personal eingespart werden und man muß sich weniger Gedanken über Backup- und Restore- Szenarien machen, da diese Aufgaben beim Dienstleister liegen. Dies macht es speziell für neue Unternehmen einfacher sich am Markt zu etablieren, wenn nicht erst eigene Systeme aufgebaut und das entsprechende Personal eingekauft werden muss. Stattdessen kauft man sich die entsprechenden Dienste, wie z.B. Mail, CRM, oder HR ein und kann schnell starten. Dies kann auch bei umfangreichen Expansionen sehr nützlich sein. Ein weiterer Vorteil ist, dass man duch Cloud Computing immer schnell Zugriff auf die neuesten Technologien erhält.

eyeOS

Wer selbst seine ersten Erfahrungen mit Cloud Computing machen möchte, kann über das Open Source-Projekt eyeOS Einblicke in die Verwendung eines Desktops über das Internet erlangen. Die Idee hinter dem Projekt ist es seine Daten auf jedem internetfähigen Gerät ansehen und bearbeiten zu können und das auch zusammen mit Freunden und Bekannten. Die Entwicklung durch eine kleine Entwicklergruppe begann in 2005 in Spanien. Mittlerweile gibt es Entwickler in 9 Ländern und eyeOS ist in 30 Sprachen verfügbar. Aktuell gibt es 400.000 Anwender, täglich kommen ca. 700 neue dazu.

Auf der eyeOS-Startseite kann man sich kostenlos anmelden und sofort mit dem System arbeiten.

Eine weitere Möglichkeit ist es sich selbst eine Installation auf einen Web-Server zu stellen. Man erhält somit seine eigene Umgebung, über die man auch die kompletten Berechtigungen und Zugriffe kontrollieren kann. Dies kann speziell für Schulen und Hochschulen sehr interessant sein.

Anbieter

Folgende Anbieter haben sich bisher am Markt etabliert:

  • Amazon
    • Amazon Elastic Compute Cloud (Amazon EC2)
    • Amazon Simple Storage Service (Amazon S3)
    • Amazon Simple Queue Service (Amazon SQS)
  • Google
    • Google Mail
    • Google Talk
    • Google Kalender
    • Google Text & Tabellen
  • Salesforce
    • Salesforce Applications
    • Salesforce Platform
    • Salesforce Services

Ein Ausblick

Die Zukunft von Cloud Computing zu bestimmen ist schwierig, zumal noch nicht mal eine genaue Definition vorhanden ist, welche Dienste Cloud Computing umfasst. Es werden sicherlich weitere Anbieter auf den Planwagen[2] aufspringen. Die etablierten Provider werden ihre Dienste ausweiten.

Der Gartner-Analyst Daryl Plummer zieht Vergleiche zwischen Cloud Computing und der industriellen Revolution im 18. und 19. Jahrhundert[3]. Auch Nicholas Garr stellt ähnliche Theorien auf[4]. Sie gehen dabei davon aus, dass die IT- Dienstleistungen zu einem Gebrauchsgut wie Wasser und Strom werden, die man nur nach Verwendung bezahlt. Bis dahin werden aber sicher noch einige Jahre vergehen, da zum einen die Dienste und Kapazitäten entwickelt und auch die entsprechend dimensionierten Anbindungen an das Internet vorhanden sein müssen.

Präsentation

Einzelnachweise

1. Computerwoche: Drum kläre, wer sich bindet

2. CIO Insight: Cloud Computing: Anything as a Service

3. Computerwoche: Cloud Computing befreit die Nutzer

4. Computerwoche: Nicholas Carr über den "Big Switch"