Auf gut Glück!

Aus THM-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kleeblatt.jpg

Das Pharus-Feature Auf gut Glück! erweitert das von Google bekannte Feature um die Option, Suchtreffer mit Stichwörtern zu versehen. Es versteht sich als CMI-Pattern ("Computer-Mediated Interaction") und bezieht sich auf das Musterbuch von Till Schümmer und Stephan Lukosch [1].

"Auf gut Glück!" ist ein Alleinstellungsmerkmal der THM-Suchmaschine: Pharus.

Im Folgenden wird das Pattern im CMI-Format beschrieben.

Auf gut Glück!

Intent

Bei einer Suchanfrage soll der Suchende auf direktem Weg mit einem Klick zum besten Suchergebnis gelangen. Was das beste Suchergebnis ist, die Landing Page zur Suchanfrage, haben Experten bestimmt und mit Stichwörtern (Tags) markiert.

Context

Jemand will anderen eine schwer zu findende öffentliche oder geschützte Webseite in der unternehmenseigenen Domäne (thm.de) mitteilen. Oder: bestimmte Unternehmensseiten sollen als "Landing Page" bei unscharfen Suchbegriffen priorisiert angezeigt werden.

  • In welchen Situationen/Kontexten ist das "Auf gut Glück!"-Feature wünschenswert?
    • Die gewünschte Information liegt in geschützten Informationssystemen: Lern- oder Projektplattformen, Content-Management-Systemen, Source-Code-Management-Systemen etc. Suchmaschinen wie Google, Bing oder Yahoo können diese nicht indexieren.
    • Der Ranking-Algorithmus der Suchmaschinen ist unzulänglich: Die beste Seite oder Ressource (PDF, Bild, Office-Dokument) wird nicht auf der ersten Trefferseite angezeigt. Kaum jemand ruft die weiteren Trefferseiten auf.
    • Die Volltext-Indexierung reicht nicht aus, um die Relevanz der Seite oder der Ressource zu berechnen (keine Meta-Informationen). Nur derjenige, der die Information anbietet, könnte den Weg zur Fundstelle beschreiben, weil er schon dort war. Ob der Suchende seine Wegbeschreibung versteht und nachvollziehen kann, ist fraglich.
    • Der Suchende kennt die Navigationsstruktur und Informationsarchitektur der Systeme nicht oder diese sind sehr komplex, so dass er nur mühsam die gewünschte Information oder Ressource finden kann: Frustration und Abkehr sind die Folge.
    • Fundstellen liegen in vielen Informationssystemen mit dedizierter Zugangskontrolle. Der Suchende muss sich jeweils mit seiner Benutzerkennung einloggen, vergisst möglicherweise, sich in den besuchten Systemen abzumelden, was potenziell ein Sicherheitsrisiko darstellt.

Problem

Die Suchmaschine kann die Relevanz von Treffern nicht immer richtig berechnen und zeigt gute Treffer nicht immer zuerst. Je komplexer die Navigationsstruktur, desto schwieriger finden sich Nutzer, die mit der Struktur wenig vertraut sind, innerhalb der Website zurecht. Somit erreicht das Informationsangebot nicht immer oder nur sehr umständlich den beabsichtigten Abnehmer und das System wird ungern genutzt.

Weiteres Problem: Jedes Informationssystem hat sein eigenes Benutzerkonzept mit Zugriffsschutz (Benutzerkennung und Passwort). Eine Tiefensuche unter Berücksichtigung des lokalen Rollenkonzepts ist herkömmlichen Suchmaschinen wie "Google Custom Search" verwehrt.

Scenario

Max besucht die Vorlesung von Herrn Prof. Sauerbruch. In der Vorlesung beschreibt der Professor, unter welcher Adresse das Vorlesungsskript heruntergeladen werden kann:(https://ecollab.thm.de/ressourcen/filemanager.php?activeFolder=0&action=getfile&actionID=381). Max hat die lange URL nicht korrekt mitgeschrieben und findet unter den rund 200 Dokumenten im Downloadbereich des Kursportals das Skript nicht, da er die abgekürzten Namen nicht zuordnen kann.

Symptoms

Dieses Design-Pattern sollte genutzt werden, wenn …

  • eine große Zahl von Nutzern, die mit dem System der Datenhaltung nicht näher vertraut sind, direkten Zugriff auf eine Information im Netz erhalten sollen;
  • Inhalte, die häufig angefragt werden, in einer tiefen Informationsstruktur verborgen und nur schwer auffindbar sind;
  • Inhalte, die in einer tiefen Informationsstruktur verborgen sind, möglichst barrierefrei zur Verfügung gestellt werden sollen.

Solution

Man stelle sicher, dass wichtige aber schwer zugängliche Inhalte, die oft von Nutzern ohne Hintergrundwissen über die Systemstruktur abgerufen werden, eindeutige Stichworte zugeordnet bekommen, damit sie über eine Direktsuchfunktion gefunden werden können.

Man implementiere für eine Tiefensuche in den verschiedenen Informationssystemen das Single-Sign-On-Konzept. Dabei muss das lokale, für das jeweilige Informationssystem spezifische Rollenkonzept unbedingt eingehalten werden, um nur legitimierten Nutzern den Zugriff auf geschützte Seiten zu erlauben. Treffer sollen nur gelistet werden, wenn der Benutzer für den Zugriff berechtigt ist.

Dynamics

Beim Einstellen von Onlineinhalten wird dem „administrativen“ Nutzer angeboten, ein oder mehrere Stichworte für den Inhalt zu vergeben. Der administrative Nutzer sieht, welche Stichworte bereits vergeben wurden und kann so seine eigenen Stichworte präzise auswählen, so dass eine eindeutige Identifikaton der Inhalte ermöglicht wird. Der „allgemeine“ Nutzer kann durch die Eingabe eines Stichwortes und die Nutzung der "Auf gut Glück!"-Suche direkt auf die gewünschten Inhalte zugreifen. So ist es möglich, den Nutzer auch bei der Verwendung der Suchmaschine sicherer zu den gewünschten Inhalten zu leiten, ohne dass dieser sich eingehend mit dem dahinter arbeitenden System vertraut machen muss. Wenn die "Auf gut Glück!"-Suche wie beschrieben eingesetzt wird, dann ermöglicht sie ferner einen optimierten barrierefreien Zugriff auf die Inhalte, ohne die Gefahr, dass nützliche Informationen aufgrund der Angebotsstruktur schlecht zu erreichen sind.

Rationale

Die Hürde zur aktiven Nutzung von Online-Inhalten setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen, die von M. Dynkowska in "Ursachen für Probleme bei der Nutzung bibliothekarischer Webangebote. Gießen: Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI)" [2] beispielhaft für bibliothekarische Inhalte zusammengestellt wurden, sich jedoch auch auf andere Bereiche der Suche nach Information übertragen lassen. Zentrale Punkte sind vor allem fehlendes sprachliches Wissen betreffend einer relevanten Fachterminologie, fehlendes Handlungswissen über institutionstypische Abläufe, fehlende Kenntnis des Mediums Internet und die fehlende Kenntnis der Struktur des spezifischen Online-Angebots. Um die beschrieben Hürden abzubauen, stehen verschiedene Wege offen, die jedoch nicht für alle Nutzer gleichermaßen sinnvoll anzuwenden sind. Zum einen wäre es möglich, den Nutzern das benötigte Wissen über Einführungskurse, Fortbildungen oder umfangreiche Anleitungen zu vermitteln. Dieser Prozess ist jedoch langwierig und steht dem schnellen Zugriff auf informative Inhalte entgegen, so dass die "Auf gut Glück!"-Suche eine schnellere und intuitive Lösung des Problems darstellt.

Check

Bei der Anwendung dieses Design-Patterns sind folgende Fragen zu beantworten:

  • Welche Inhalte sollen von wem mit Stichworten versehen werden können?
  • Wer hat die Hohheit über die Vergabe der Stichworte?
  • Welchen Wissensstand hat die Zielgruppe meines Online-Inhalts bezüglich der Struktur meines Angebots?
  • Wo in meinem System/GUI stelle ich den Nutzern die benötigten Funktionalitäten zur Verfügung um ihren Effekt maximal auszunutzen?

Danger Spots

Wichtig ist die Moderation der Stichworte, um deren Eindeutigkeit und damit sinnvolle Nutzung zu gewährleisten. Dieses Problem lässt sich durch die Nutzung mehrerer Stichworte und eine Testfunktion zur Überprüfung des Suchergebnisses der gewählten Stichwortkombination vermeiden. Das Versehen aller Inhalte mit Stichworten ist nur eingeschränkt zielführend, die Beschränkung auf wichtige Inhalte verbessert die Wirkung der Gesamtfunktionalität. Weiterhin zu beachten ist, ob die Verwendung von Sonderzeichen innerhalb der Tags möglich ist, oder nicht, da es hier sonst zu Problemen beim Wiederauffinden der gesuchten Inhalte kommen kann. Zu beachten sind ferner die Indizierungsintervalle der Suchmaschine, die eine Wartezeit bis zur Verfügbarkeit der Tags bedingen.

Weiterer Punkt:

  • Werden Tags in manipulativer Absicht vergeben, so kann "Auf gut Glück" den Suchenden in die Irre führen.

Known Uses

Google bietet das Feature "Auf gut Glück!" nur als Direktanzeige des Treffers an, der nach seinem Ranking-Algorithmus als relevantester Treffer bewertet wurde.

Related Patterns

  • Keine bekannt.