AGQLS eModeration

Aus THM-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Dieser Projektantrag wird der Arbeitsgruppe "Qualität in Lehre und Studium" (AGQLS) der FH Gießen-Friedberg über die Themengruppe "E-Learning" am 15. Mai 2009 vorgelegt.

Ausgangssituation

Eine studentische Gruppe des Fachbereichs MNI hat im Rahmen eines gemeinsamen Bachelorprojekts und in vorangegangenen Softwaretechnik-Praktika ein Programm zur Virtualisierung der Moderationsmethode à la Metaplan entworfen und zur Produktionsreife geführt. Das Programm "eModeration" wurde im Bachelor-Wahlpflichtmodul "E-Learning: Methoden, Techniken, Tools" der Fachbereiche IEM, MND und MNI erprobt und dokumentiert:

Ziel des beantragten Projekts ist es, Lehrende und Studierende aller Fachbereiche unserer FH beim Einsatz der mediengestützten Moderationsmethode in der Lehre und in der moderierten Gruppenarbeit zu unterstützen. Es soll hierzu ein eintägiger Workshop konzipiert und implementiert werden. Es werden Workshop-Unterlagen, Lehrvideos zur Moderationmethode und Moderationsvorlagen erstellt. Workshop-Konzept und Materialien sollen auch im Seminar "E-Medien in der Lehre" der AGWW zur freien Nutzung angeboten werden.

Moderationsmethode

Die Moderationsmethode – in ihrer spezifischen Form Metaplan® – wird seit langem in den unterschiedlichsten Bereichen erfolgreich eingesetzt. Traditionell führt der Moderator ein Gruppengespräch mit Hilfsmitteln zur Visualisierung der Beiträge, wie Pinnwand, Packpapier, Karten und Stiften, zu einer einvernehmlichen Lösung.

Beispiel eines Einsatz-Szenarios: Eine studentische Arbeitsgruppe soll ein projektinternes Problem lösen. Da das Problem vielschichtig und strittig zu sein scheint, kommen alle 12 Mitglieder zum Meeting. Eigentlich nicht zu viele, aber schon die Analyse, was fehlgelaufen ist, kostet viel Zeit und nicht alle haben das Gefühl, dass ihre Argumente berücksichtigt wurden. Folglich gehen einige Projektmitglieder frustriert und demotiviert in die nächste Phase, nämlich Ideen zur Lösung zu sammeln.

Um möglichst effektiv mit solchen Situationen umgehen zu können, wurden sogenannte Moderationstechniken entwickelt. Damit lassen sich gemeinsam in der Gruppe Informationen zusammentragen und daraus Lösungen für ein gegebenes Problem erarbeiten. Gelenkt wird eine Moderation von einer Moderatorin oder einem Moderator. Während die Teilnehmer die eigentlichen Inhalte einbringen, ist der Moderator für die Struktur und die Dokumentation der Moderation verantwortlich. Durch das Arbeiten mit den richtigen Fragen hilft er der Gruppe, zu einvernehmlichen Ergebnissen zu kommen. Durch Zusammenfassen und inhaltliche Pointierung bringt er selbst wage inhaltliche Beiträge in eine klare und verwendbare Form.

Ideen produzieren

Kreative Ideen werden auf Karten geschrieben. Diese Kartentechnik ist eine Form des Brainwriting (die schriftliche Form von Brainstorming). Je mehr Karten, desto besser. Wie im Brainstorming gilt: Alles ist erlaubt, auch „Verrücktes“. In einer Variante werden die Karten an den Nachbarn gegeben, der diese als Anregung für weitere oder weiterführende Ideen nimmt.

Fragen sammeln

Zu einem Thema werden Fragen oder Probleme gesammelt. Dadurch erschließt sich die Breite und Tiefe des Themas aus der Sicht aller TeilnehmerInnen.

Meinungen austauschen

Zu einer Frage werden Gedanken, Meinungen, Aspekte gesammelt. Dadurch werden die Sichtweisen aller TeilnehmerInnen für alle ersichtlich.

Lösungen erarbeiten

Für Aufgaben werden Arbeitsschritte geplant und Verantwortlichkeiten festgelegt. Für Konflikte werden gemeinschaftlich Lösungen gesucht.

eModeration

Die eModeration bringt die Moderationsmethode ins Web. Die für die Methode wichtigen Bestandteile, wie beispielsweise die Pinnwände und Karten, auf denen die Ergebnisse festgehalten werden, bleiben dabei erhalten. Die Teilnehmer können eine Moderation direkt in ihrem Webbrowser durchführen und sind dadurch örtlich voneinander unabhängig. Da die Pinnwände, Karten, Stecknadeln und Stifte bei der eModeration virtualisiert sind, müssen sie nicht mehr teuer angeschafft werden. Dank der sich hierdurch ergebenden grafischen Möglichkeiten erhöht sich außerdem die Übersicht. Schließlich fällt auch eine unter Umständen kostspielige Archivierung der Pinnwände weg, da das Ergebnis einer Moderation jederzeit von den Teilnehmern online eingesehen werden kann.

Beispiel der Moderationsansicht

Der Karten-Set-Editor

Der Karten-Set-Editor ermöglicht die freie Gestaltung eigener Karten-Sets zur Verwendung in eModerationen über den Web-Browser. Der Ersteller hat dabei ähnliche Freiheiten wie bei einem Desktop-Zeichenprogramm: er kann Karten mit der Maus auf die Arbeitsfläche ziehen, Farben über Farbpaletten wählen, Textbereiche erstellen, Schriftformatierung vornehmen oder auch Bilder hinzufügen. Dadurch lassen sich selbst komplexeste Vorlagen für spätere Moderationen leicht mit wenigen Klicks zusammenstellen. Durch die Zuordnung von sogenannten "Klebebereichen" auf den Karten lässt sich genau festlegen, an welchen Stellen die TeilnehmerInnen einer Moderation später selber ihre Karten/Punkte anbringen dürfen.

Der Karten-Set-Editor

Durch die freie Gestaltung von Karten-Sets ist auch eine Nutzung der Anwendung abseits der Moderationsmethode denkbar. Durch die Möglichkeiten einer synchron und kollektiv genutzten Online-Arbeitsfläche bieten sich noch viele weitere Einsatz-Szenarien an:

  • Gestaltung von Diagrammen
  • Brainstorming / Mind-Maps
  • Schwarzes Brett (Pinnwand mit Notizzetteln)
  • ToDo-Listen
  • uvm.

Einsatz in der Lehre

Die eModeration wurde bereits erfolgreich in mehreren Lehrveranstaltungen eingesetzt, darunter in den Bachelor-Informatik-Kursen Praktikum Multimedia und Web Basics. Sie wurde außerdem im AGWW-Workshop E-Medien in der Lehre zur Evaluation genutzt.

Zielgruppe

Zielgruppe sind alle Dozentinnen, Dozenten, Lehrbeauftragten sowie alle Studierenden der Fachhochschule Gießen-Friedberg. Ziel ist es, Moderationen schnell, unkompliziert, auch von Zuhause zu leiten oder daran teilzunehmen.

Projektbegründung, Zielsetzung und erwartete Ergebnisse

Trotz des Erfolges der Moderationsmethode gibt es Bereiche, in denen sie kaum zum Zuge kommt. Dies sind vor allem Schulen, Universitäten und Fachhochschulen, da dort in der Regel die Räumlichkeiten und Hilfsmittel nicht zur Verfügung stehen oder die Gruppen zu groß sind, um die Moderationsmethode adäquat einzusetzen.

Um die Investitionskosten und die räumlichen Beschränkungen zu umgehen und die Moderationsmethode in die studentische Ausbildung zu integrieren, bietet sich der ergänzende Wechsel in die digitale Welt des Web 2.0 an. Damit der Wechsel in diese Welt möglichst einfach vollzogen werden kann, müssen alle Beteiligten in die Bedienung der eModeration eingewiesen werden. Für eine solche Einführung wurden früher zahlreiche Dokumente angefertigt, die größtenteils ungelesen blieben. Die moderne Art der Bedienungsanleitung ist heute der Screencast. Es handelt sich dabei um ein digitales Video, welches die Bedienung der Anwendung anschaulich und meist multimedial erklärt. Das in den Screencasts Gezeigte kann sofort in der Anwendung vom Zuschauer ohne weitere Anleitung nachvollzogen werden, so dass der Lernerfolg sich unmittelbar einstellt.

In diesem Projekt sollen Screencasts als modernes Dokumentationsmedium und Moderationsvorlagen erstellt und ein Workshopkonzept erarbeitet werden. Beim Einsatz im AGWW-Workshop "E-Medien in der Lehre" im September 2009 können die TeilnehmerInnen gezielt in die Anwendung eingewiesen werden. Die Konzepte bieten unerfahrenen Gruppen den umkomplizierten Einstieg in die Moderationsmethode. Das Projektziel ist es, die Barrieren für einen Einsatz der Moderationsmethode in Lehre und Gruppenarbeit aus dem Weg zu räumen. Damit stünde die eModeration und damit die Moderationsmethode allen Interessierten zur Verfügung, auch Personen, die weniger Computer versiert sind.

Finanzplan

  • Gesamtkosten: 5.000 EUR für Werkverträge mit Masterstudenten

Evaluation und Veröffentlichung der Projektergebnisse

Das Konzept und die Medien des eModerations-Workshops sollen von den Studierenden des Bachelorkurses "E-Learning" im WS 2009/10 und von den Teilnehmenden des AGWW-Workshops "E-Medien in der Lehre" genutzt und evaluiert werden. Das Projekt wird als Wiki-Artikel dokumentiert und auf der FH-Startseite verlinkt.