AGI - Erfassung der Blindenampeln in Gießen

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Dokumentation
Arbeitstitel AGI - Barrierefreies Gießen – Erfassung blindengerechter Verkehrsanlagen mit Open Street Map
Kurs Angewandte Geoinformatik
Semester SS 10
Teilnehmer Christian Klein, Nathalie Sorichter, Nils Ruppel



Projekt
Arbeitstitel AGI - Barrierefreies Gießen – Erfassung blindengerechter Verkehrsanlagen mit Open Street Map
Kurs Angewandte Geoinformatik
Betreuer Dr. Timo Götzelmann
Start-Semester SS 10
End-Semester SS 10
Teilnehmer Christian Klein, Nathalie Sorichter, Nils Ruppel


Barrierefreies Gießen – Erfassung blindengerechter Verkehrsanlagen mit Open Street Map


Christian Klein
Nathalie Sorichter
Nils Ruppel


Fachbereich MNI, Fachhochschule Gießen-Friedberg


Zusammenfassung
Dieses Dokument gibt den Verlauf und die Resultate des Projekts „Barrierefreies Gießen – Erfassung blindengerechter Verkehrsanlagen mit Open Street Map“ wieder. Das Projekt wurde im Rahmen der Lehrveranstaltung „Angewandte Geoinformatik“ des Bachelorstudienganges Informatik an der Fachhochschule Gießen-Friedberg im Sommersemester 2010 durchgeführt. Die Projektarbeit besteht darin Geoinformationen von Blindenampeln und taktilen Merkmalen, welche von Sehbehinderten zur Orientierung im Straßenverkehr dienen, zu Erstellen und mit Hilfe der Open Source Software „Open Street Map“ zu Erfassen und zur Verfügung zu stellen.


Einleitung

Bis heute hängt die selbstständige Orientierung Blinder und hochgradig Sehbehinderter stark von mechanischen sowie lebenden Hilfen ab. Zu mechanischen Hilfen zählt insbesondere für Blinde der Blindenlangstock. Er ermöglicht durch dem Schritttempo angepasstes vor dem Körper hin und her bewegen, Unebenheiten am Boden, Bodenhindernisse sowie vom Boden in die Höhe ragende Gefahrenquellen wie Pfosten zu lokalisieren und ihnen rechtzeitig auszuweichen. Dabei behält der Langstock meist direkten Bodenkontakt. Sehbehinderte, deren Restsehvermögen stark von den gegebenen Lichtverhältnissen abhängt, sind oft ebenfalls auf dieses Hilfsmittel angewiesen. Daneben greifen einige Blinde und Sehbehinderte auf einen Blindenführhund zurück, um ihre Mobilität und Unabhängigkeit zu erhöhen. Hierbei wird ein geeigneter Hund über mehrere Monate hinweg darauf geschult, sogenannte Nahziele wie Bordsteine, Ampeln, Treppen oder Sitzgelegenheiten beispielsweise in öffentlichen Verkehrsmitteln anzuzeigen. Außerdem ist es möglich, einem Blindenführhund sogenannte Fernziele beizubringen, nach deren Nennung durch den Führhundhalter der Hund die gesamte Strecke vom Ausgangspunkt bis zum Fernziel beinahe gänzlich eigenständig zurücklegt. Dabei kann der Weg von zu Hause zur Arbeit zum Beispiel ein solches Fernziel darstellen. Nach dem hiermit verknüpften Hörzeichen wie beispielsweise „Arbeit“ läuft der Hund mit seinem Halter am Führgeschirr los, zeigt auf dem Weg liegende Straßenüberquerungen unaufgefordert an, sucht benötigte Bushaltestellen auf und zeigt am Ziel den richtigen Gebäudeeingang bzw. ggf. sogar die richtige Bürotür. Diese zwei Alltagshilfen können einander im Leben eines Blinden ergänzen. Allerdings kann eine Ampel beispielsweise nur dann mit Langstock sicher aufgefunden werden, wenn der Bodenbelag in der Nähe durch spezielle Aufmerksamkeitsfelder, die mit den Füßen ertastet werden können, ersetzt wurde, oder wenn eine Ampel für einen Blindenführhund als solche erkennbar ist, also nicht nur aus dem Ampelpfosten selbst besteht, sondern auch über einen Druckknopf verfügt, wie man es von Fußgängerampeln kennt. Zusätzlich muss eine Ampel auch mit blindengerechter Technik ausgestattet sein, da weder Langstock noch Führhund die Grün-Phase erkennen können. Bei der erwähnten Technik handelt es sich entweder um ein Vibrationsfeld auf dem Anforderungskasten, das während der Grün-Phase vibriert, oder um ein akustisches Signal, das während der gesamten Grün-Phase ertönt. Heutzutage werden meist beide Merkmale miteinander kombiniert. Trotz Blindenlangstock, Blindenführhund, blindengerechter Ampeln sowie ertastbarer Aufmerksamkeitsstreifen im Bodenbelag existiert für Blinde und Sehbehinderte noch immer das Problem unbekannter Wege. Das kann ein kurzer Weg von wenigen hundert Metern sein, den derjenige jedoch noch nie gegangen ist. Und keine der erwähnten Hilfen kann ihn hierbei tatsächlich unterstützen. Seit wenigen Jahren gibt es jedoch den Ansatz, GPS-gestützte Navigation nicht nur für Autofahrer, sondern gleichermaßen für (blinde und sehbehinderte) Fußgänger zu nutzen. Hierfür gibt es ein paar wenige Soft- bzw. Hardware-gestützte Hilfsmittel für Sehgeschädigte, die jedoch alle noch nicht weit genug ausgereift sind und unverhältnismäßig viel Geld kosten. Dabei sprechen wir von ca. 400€ für die günstigste Softwarelösung bis ca. 3500€ für die teuerste Hardwarelösung. Neben diesen Lösungen gibt es jedoch auch einen Ansatz vom Open Source-Projekt Open Street Map, allgemeine „Points Of Interest“ oder ähnliche Bestandteile der Kartendaten mit speziellen Informationen für Blinde, Rollstuhlfahrer oder andere Bedürfnisgruppen zu versehen. Die speziell für Blinde für Symbian-basierte S60-Mobiltelefone entwickelte Navigationssoftware Loadstone ist seit verhältnismäßig kurzer Zeit in der Lage, OSM-Kartendaten abzurufen und zu nutzen. Dieser Lösungsansatz stellt das Herzstück des vorliegenden Projekts dar. Unsere Projektgruppe hat mittels eines GPS-Gerätes, einer entsprechenden Liste von der Stadtverwaltung Gießen und einem geeigneten Editor versucht, die mit blindengerechten Funktionen ausgestatteten Ampeln in Gießen so genau wie möglich zu erfassen. Hierbei bestand das Ziel darin, alle vorhandenen, umgerüsteten Verkehrsanlagen möglichst genau mit ihren Geoinformationen zu lokalisieren und einzutragen, so dass auch ortsunkundige Blinde mittels GPS und Navigationssoftware benötigte Ampeln eigenständig auffinden können. Der Eintrag in die Open Street Map-Datenbank wird hierbei allgemein durch XML-Tags ergänzt, aus denen beispielsweise die Eigenschaften der jeweiligen Ampel hervorgehen.

In der folgenden Projektdokumentation gehen wir zuerst detailliert auf die Herangehensweise an die Problemstellung ein. Anschließend beleuchten wir die Aufteilung in Teilaspekte auf die einzelnen Projektgruppenmitglieder genauer und dokumentieren die Umsetzung der Teilaspekte sowie den erarbeiteten Lösungsansatz. Zum Schluss wagen wir noch einen kleinen Ausblick auf die mögliche, zukünftige Entwicklung der von uns bearbeiteten Problematik.

Herangehensweise

Nach Erhalt des Projektes „Barrierefreies Gießen – Erfassung blindengerechter Verkehrsanlagen mit Open Street Map“ durch den Dozenten Herrn Dr. Götzelmann beschäftigte sich die Gruppe, bestehend aus Frau Nathalie Sorichter, Herrn Nils Ruppel und Herrn Christian Klein, mit den unterschiedlichsten Fragestellungen.

  • Welche Mobilitäts-/Orientierungshilfen stehen sehbehinderten Menschen bei ihrer Navigation durch eine Stadt zur Verfügung?
  • Welche Unterstützung in Form von Barrierefreiheit bietet eine Stadt ihren sehbehinderten Bürgern?
  • Welche Arten von blindengerechten Merkmalen gibt es bei Ampeln?
  • Wie und auf welche Weise kann man die Ampeln innerhalb des Open Street Map-Projektes eintragen?
  • Wie beschaffen wir uns die nötigen Informationen?

Als Orientierungshilfe für die vierte Fragestellung diente ein Kartenausschnitt der Stadt Marburg aus der Open Street Map-Datenbank, in der diverse Ampeln mit blindengerechten Merkmalen eingezeichnet sind.

Zur Informationsbeschaffung kontaktierten wir Frau Corinna Hellhund vom Tiefbauamt Gießen, Sachgebiet Verkehrstechnik, die uns eine Liste aller Ampeln innerhalb Gießens versprach, die blindengerechte Merkmale besitzen. Vorab erstellte Frau Sorichter eine eigene Liste mit ihr bekannten Ampeln in Gießen, die mit den gewünschten Merkmalen ausgestattet sind, so dass wir unseren Zeitplan besser einhalten konnten.

In Marburg wie auch in jeder anderen Stadt sind die an einer Kreuzung befindlichen Ampeln in Open Street Map in der Form abgebildet worden, dass für alle Ampeln repräsentativ nur eine pro Kreuzung eingetragen wurde. Diese wurde in den meisten Fällen in der Kreuzungsmitte eingezeichnet. Diese Art der Dokumentation erschien der Gruppe als nicht ausreichend und informativ genug und verständigte sich darauf, jede einzelne Fußgängerampel an sich zu messen, einzutragen und entsprechend miteinander zu verbinden. Damit wollten wir den Anfang für blindengerechte Navigation in Gießen schaffen, indem nicht nur die Straßen in den Karten, sondern auch die Fußwege und Straßenübergänge dokumentiert werden. Dadurch bestünde die Möglichkeit, jeder einzelnen Ampel gesonderte Merkmale zuzuordnen. Im Laufe der Überlegungen erwähnte Frau Sorichter, dass es unter Umständen für einen Sehbehinderten sinnvoll wäre, zu wissen, ob sich eine Fußgängerampel auf einer Verkehrsinsel befindet und ob diese auf gleicher Höhe mit dem Straßenbelag oder ein Stückchen höher angelegt wurde. Die Fragestellung hinter dieser Überlegung beruht darauf, dass Blinde sich mit einem Blindenlangstock orientieren. Dieser ermöglicht ihnen das leichte Auffinden von Bodenhindernissen oder Unebenheiten jeglicher Art. Bei ebenerdigen Verkehrsinseln laufen Sehbehinderte und insbesondere Blinde jedoch Gefahr, in den fließenden Straßenverkehr hinein zu laufen, da sie die Inselbegrenzung nicht als solche identifizieren können.

Zum Messen der GPS-Daten besorgte Herr Klein ein neueres Gerät aus der Garmin eTrex HC-Serie. Mit diesem Gerät führten Herr Ruppel und Herr Klein die ersten Messungen auf dem Weg vom Gelände der Fachhochschule Gießen bis zum Bahnhof durch. Da Herr Ruppel die gesammelten Daten in das Open Street Map-Projekt eintragen sollte, war es erforderlich, diese Messungen gemeinsam durchzuführen, um sich auf einen Merkmalsstandard zu einigen. Die Gruppe vereinbarte folgende Merkmale, die den Ampeln zugewiesen werden sollten:

  • Vibrationsfeld mit Anforderungsknopf,
  • Vibrationsfeld ohne Anforderungsknopf,
  • akustischer Signalgeber für die Grün-Phasen,
  • ebenerdige Verkehrsinsel und
  • erhabene Verkehrsinsel.

Im Laufe des Projekts merkte Frau Sorichter an, dass es sinnvoll sei, alle Fußgängerampeln in Gießen zu erfassen. Sowohl Ampeln mit blindengerechten Merkmalen wie auch solche ohne sind wichtig für die Navigation und Orientierung Blinder und Sehbehinderter, da sie genau wissen müssen, wo sich eine Ampel befindet. Aufgrund der zeitlichen Begrenzung dieses Projektes wurden jedoch nur die Ampeln mit blindengerechten Merkmalen berücksichtigt. Die weiteren Messungen führte Herr Klein allein durch. Ihm diente die von Frau Hellhund zur Verfügung gestellte Liste als Vorlage und Wegweiser zu den entsprechenden Kreuzungen. Um die Genauigkeit jedes Messpunktes zu erhöhen, führte Herr Klein teilweise bis zu hundert Messungen pro Ampel durch. Das verwendete GPS-Gerät ermittelte daraus den Durchschnittswert und vermerkte auch den Grad der Genauigkeit. Bei den Messungen konnte bei mehr als hundert Einzelmessungen pro Ampel keine Genauigkeit unter 2,8 Metern erreicht werden. Bei innerstädtischen Straßen betrug die Genauigkeit teilweise mehr als zehn Meter, im Durchschnitt jedoch zwischen 2,8 und 4 Metern.

Herrn Ruppel fiel die Aufgabe zu, die GPS-Koordinaten in die OSM-Datenbank einzutragen und den entsprechenden Punkten Merkmale zuzuordnen sowie die Fußgängerüberwege als Pfad zwischen zwei Ampeln zu zeichnen. Da das Eintragen von existierenden GPS-Koordinaten in das OSM-Projekt an sich nicht schwierig ist, musste Herr Ruppel von der ursprünglichen Vorgehensweise abweichen, da die GPS-Koordinaten zu ungenau waren. Im weiteren Verlauf wurden die Ampeln im ähnlichen Verfahren wie die bereits erfassten in Marburg eingetragen. Das heißt, dass auf einer Kreuzung repräsentativ für alle Ampeln nur eine eingetragen wird. Diese in der Kreuzungsmitte stehende Ampel trägt dann auch die entsprechenden Merkmale.

Im Anschluss an den Praxisteil erfolgte die Ausarbeitung, in der jeder Teilnehmer der Gruppe seine Tätigkeit oder seine Erfahrungen dokumentierte.

Teilziele

Zu Beginn des Projekts haben wir uns im Rahmen eines Brainstormings an die Thematik der Aufgabenstellung herangetastet. Das Brainstorming lieferte die Basis für die Planung der weiteren Vorgehensweise. Die gegebene Problemstellung haben wir in folgende Aufgabenbereiche unterteilt:

  • Grundlagen und Planung
  • Einarbeitung und Informationsbeschaffung
  • Ausführung
  • Nachbereitung

Innerhalb der verschiedenen Aufgabenbereiche haben wir Teilziele definiert, die in Ihrer Gesamtheit die Lösung der Problemstellung ergeben. Die einzelnen Teilziele der Aufgabenbereiche werden im Folgenden vorgestellt.

Grundlagen und Planung

Zu Beginn der Projektarbeit müssen die erforderlichen Grundlagen geschaffen werden. Ziel dieses Aufgabenbereichs ist es, eine Planung der Projektarbeit zu erstellen und sich in das Themengebiet einzuarbeiten.

Teilziele:

  • Initiale Planung
  • Grundlagen der Mobilitäts-/Orientierungshilfen im Straßenverkehr
  • Einarbeitung in die Open Street Map-Datenstruktur und einen zugehörigen Editor für deren Bearbeitung

Abhängigkeiten:

  • keine

Informationsbeschaffung

Basierend auf den erarbeiteten Grundlagen sollen in diesem Abschnitt die notwendigen Informationen zur konkreten Ausführung verfügbar gemacht werden. Insbesondere muss der Kontakt zu Ansprechpartnern und Informationsquellen hergestellt werden.

Teilziele:

  • Liste der wichtigen bzw. vorhandenen Ampelanlagen in Gießen anfragen
  • Informationen zur Vorgehensweise beim Anlegen der entsprechenden Daten in Open Street Map in Erfahrung bringen
  • Weiterführende Informationen im Zentrum für sehbehinderte, blinde und chronisch kranke Studierende der FH Gießen-Friedberg einholen

Die Teilziele sind unabhängig voneinander und können parallel bearbeitet werden.

Abhängigkeiten:

  • Grundlagen und Planung

Ausführung

Dieser Abschnitt repräsentiert die Erfassung der Geoinformationen der Ampelanlagen.

Teilziele:

  • Erfassung der GPS-Daten
  • Einpflegen der Geoinformationen in die Datenbank von Open Street Map

Die Teilziele sind teilweise parallelisierbar. Die bereits erfassten GPS-Daten können in Open Street Map eingepflegt werden. Gleichzeitig dazu ist es möglich, weitere GPS-Daten zu erfassen.

Abhängigkeiten:

  • Grundlagen und Planung
  • Informationsbeschaffung

Nachbereitung

Der letzte Abschnitt dient dazu, die Ergebnisse der Projektarbeit wiederzugeben.

Teilziele:

  • Erstellung einer Dokumentation
  • Projektvorstellung im Rahmen einer Präsentation

Die beiden Teilziele sind parallelisierbar. Es ist allerdings sinnvoll, zuerst die Dokumentation zu erstellen und die Präsentation darauf aufzubauen.

Abhängigkeiten:

  • Ausführung

Zuständigkeiten für die Teilaufgaben

In diesem Abschnitt werden die Teilaufgaben den Mitgliedern des Projektteams zugeordnet.

Nathalie Sorichter

Hauptverantwortlichkeit: Analyse und Dokumentation

Teilaufgaben:

  • Erstellung einer Liste der wichtigsten Ampelanlagen
  • Erarbeitung von Informationen zu Mobilitäts- und Orientierungshilfen im Straßenverkehr
  • Dokumentation
  • Präsentation

Christian Klein

Hauptverantwortlichkeit: Erfassung der GPS-Koordinaten

Teilaufgaben:

  • Erarbeitung von Grundlagen
  • Planung der Vorgehensweise zum Erfassen der GPS-Daten
  • Beschaffung eines GPS-Gerätes
  • Beschaffung einer Liste aller blindentauglichen Ampelanlagen in Gießen
  • Erfassung der GPS-Daten
  • Dokumentation
  • Präsentation

Nils Ruppel

Hauptverantwortlichkeit: Erstellung der Geoinformationen mit Open Street Map

Teilaufgaben:

  • Erarbeitung von Grundlagen
  • Detaillierte Auseinandersetzung mit Open Street Map
  • Einarbeitung in den Editor JOSM
  • Erstellung der Geoinformationen
  • Dokumentation
  • Präsentation

Zeitplanung

Kalenderwoche 18 und 19

  • Grundlagen und Planung

Kalenderwoche 19 bis 21

  • Informationsbeschaffung
  • Ausführung

Kalenderwoche 21 bis 23

  • Ausführung
  • Erstellung der Dokumentation
    • Deadline: 12.06.2010

Kalenderwoche 23 bis 25

  • Erstellung der Präsentation
    • Deadline: 19.06.2010
  • Vorstellung der Projektarbeit
    • Termin: 26.06.2010

Lösung

Informationsbeschaffung

Die Informationsbeschaffung oblag Herrn Klein. Dieser kontaktierte am 08. Mai 2010 die Stadt Gießen, mit der Bitte, ihm eine Liste aller blindentauglichen Ampelanlagen zukommen zu lassen. Am 11. Mai 2010 stellte Herr Klein sich Frau Hellhund vom Tiefbauamt Gießen vor und berichtete ihr von dem Projekt. Er unterbreitete ihr seine Bitte. Frau Hellhund erwies sich als kooperativ und übersandte Herrn Klein am 31. Mai 2010 eine vollständige Liste aller Lichtanlagen mit blindengerechten Merkmalen.

Zur weiteren Informationsbeschaffung, das heißt zur Erfassung der genauen GPS-Daten der Ampelanlagen fuhr Herr Klein die einzelnen Kreuzungen innerhalb Gießens mit dem Auto ab und ermittelte dort die GPS-Koordinaten sämtlicher Fußgängerampeln mit blindengerechten Merkmalen. Zusätzlich vermerkte er die Merkmale jeder erfassten Ampel.

Am Anfang der Projektphase wurden Überlegungen angestellt, welche Möglichkeiten es gäbe, ein GPS-Gerät vorübergehend zur Verfügung gestellt zu bekommen, da man nur so die Aufgabe lösen könne. Dank des Nachbarn von Herrn Klein, Ralf Hilgers, wurde dieses Problem gelöst. Damit stand der Gruppe ein neues GPS-Gerät der Firma Garmin zur Verfügung.

Die Ampelanlagen wurden mit dem Auto angefahren und die jeweiligen Ampeln zu Fuß erreicht.

Ungenauigkeit

Wie schon in der Vorgehensweise beschrieben, lag die berechnete Genauigkeit der Messungen im optimalsten Fall bei 2,8 Metern, im schlechtesten Fall bei ca. 18 Metern. Um die Genauigkeit zu erhöhen, wurden teilweise bis zu 100 Messungen, im Durchschnitt jedoch ca. 45 Messungen pro Lichtanlage durchgeführt.

Empfehlung

Grundsätzlich wäre es empfehlenswert, die Art der Informationsbeschaffung zu überdenken. Solange die GPS-Daten für den persönlichen Bedarf zu ungenau sind, müsste man auf städtische Planungskarten zurückgreifen, um sich daraus die GPS-Daten per Triangulation zu errechnen. Leider kam die Gruppe zu spät auf diesen Einfall, so dass dieser Weg der Informationsgewinnung für das Projekt nicht beschritten werden konnte.

Erstellung der Geoinformationen

Open Street Map

Bei Open Street Map (kurz: OSM) handelt es sich um ein Open Source-Projekt zur Verwaltung von Geoinformationen. Das Kernstück stellt die Datenbank dar, welche die Geoinformationen beinhaltet. Diese sind für jeden über das Internet frei zugänglich. Die Besonderheit von Open Street Map im Gegensatz zu anderen Geodaten-Anbietern ist die Möglichkeit, selbst Geodaten zu erstellen. Das Projekt besteht aus einer weltweiten Community, in der jedes Mitglied aktiv an der Pflege und Erstellung von Geoinformationen beitragen kann. Zur Darstellung der Geodaten existieren verschiedene Kartentypen. Man hat die Möglichkeit, eigene Karten zu erstellen, die nur bestimmte Informationen rendern.

JOSM

Allgemein

JOSM steht für Java Open Street Map Editor, wobei es sich um einen frei verfügbaren Editor für Geodaten von Open Street Map handelt. JOSM basiert auf der Java-Programmiersprache und ist daher auf allen gängigen Betriebssystemen nutzbar. Der Editor unterstützt die Offline-Bearbeitung der Geodaten, das heißt es kann problemlos ohne permanente Internetverbindung gearbeitet werden. Lediglich zum Download und Upload der Geodaten ist eine Verbindung zu einem OSM-Server notwendig. Desweiteren ist der Editor durch eine Vielzahl von Plugins erweiterbar.

Bedienung

Zur Bearbeitung der Geodaten von Open Street Map mit JOSM muss im ersten Schritt ein Kartenausschnitt zur Bearbeitung gewählt werden. Anschließend werden sämtliche verfügbaren Geodaten des gewählten Bereichs aus der Datenbank von einem OSM-Server abgerufen und lokal gespeichert. Die Daten werden innerhalb des Editors dargestellt und können mit Hilfe verschiedener Werkzeuge editiert werden. Änderungen werden dabei zunächst nur lokal vorgenommen, einzelne Schritte können problemlos rückgängig gemacht werden. Zur Speicherung der Daten kann man eine lokale Datei verwenden, in diesem Fall stehen die Daten aber nicht auf den OSM-Servern zur Verfügung und können daher von den verschiedenen OSM-Karten nicht dargestellt werden. Um die Daten in der OSM-Datenbank zu veröffentlichen, müssen sie an einen OSM-Server übertragen werden. Voraussetzung für die Veröffentlichung der Daten ist ein OSM-Account, der mittels kostenloser Registrierung erstellt werden kann. In JOSM müssen die Logindaten in den Einstellungen hinterlegt werden, anschließend können die Änderungen mit Hilfe des Upload-Buttons übertragen und veröffentlicht werden.

Vorgehensweise

GPS-Daten

Für die Erstellung der Geoinformationen zu den Ampelanlagen wurden die GPS-Koordinaten von Herrn Klein mit einem GPS-Gerät erfasst und in einer textbasierten Datei zur Verfügung gestellt. Neben den Koordinaten der Ampeln hat Herr Klein weitere Informationen, beispielsweise zum Typ der Ampel, mitgeliefert.

Konvertierung der GPS-Daten

Das eingesetzte GPS-Gerät von Garmin bietet die Möglichkeit, die GPS-Daten in verschiedenen Formaten auszugeben. Standardmäßig war das Gerät bei der Erfassung auf ein Format "Grad Minute Sekunde" (z.B. +50° 34' 33.15", +8° 43' 36.28") eingestellt. Da beim Eintragen von neuen GPS-Punkten in JOSM die GPS-Koordinaten im Dezimalformat (z.B. 50.575874, 8.726744) verlangt wurden, bestand für Herrn Ruppel eine zusätzliche Aufgabe darin, die Werte umzurechnen. Diese Aufgabe bewerkstelligte er mit Hilfe von Excel.

Taggen der Ampeln

Um die verschiedenen Ampeltypen in OSM abzubilden, wurden bereits etablierte Tags verwendet:

  • "traffic_signals:sound = yes" für Ampeln mit akustischem Signal
  • "traffic_signals:vibration = yes" für Ampeln mit Vibrationsfeld
Kontrolle

Zur Kontrolle der eingepflegten Daten wurde die Open Street Map-Spezialkarte "Blindpeople's OSM" verwendet. Diese Karte stellt in OSM verfügbare Informationen und Tags für Sehgeschädigte dar. Die Karte kann zwar nicht von Blinden verwendet werden, dient aber zur Darstellung der benötigten Informationen für Sehende. Mit Hilfe dieser Karte wurden die Ergebnisse überprüft. Ein Problem dabei besteht darin, dass die Karte nicht mit den aktuellen OSM-Daten gerendert wird, sondern auf einer Schattenkopie der Datenbank basiert. Diese Schattenkopie wird nur unregelmäßig durch den Betreiber aktuallisiert. Durch die Kontaktaufnahme mit Frau Thurau von OSM konnte eine Aktualisierung der Daten veranlasst werden.

Probleme

Aufgrund der ungenauen Messungen fiel es schwer, die Punkte in JOSM zu plazieren, weil die GPS-Punkte nicht der tatsächlichen Symmetrie der Kreuzungen entsprachen. So versuchte Herr Ruppel zuerst mittels GoogleMaps und der darin enthaltenen Karte sowie enthaltene Satellitenbild den genaueren Standort der Lichtanlagen zu ermitteln. Dies scheiterte jedoch an der geringen Auflösung der Satellittenbilder und an der Tatsache, dass die unter GoogleMaps ermittelten Daten keinesfalls stimmen müssen.

Ausblick

Mit der Erfassung und Bereitstellung von Geoinformationen zu Blindenampeln im Stadtbereich Gießen haben wir einen kleinen Beitrag zur Navigation Blinder und Sehbehinderter vor Ort geleistet. Durch die zeitliche Beschränkung konnten wir leider nicht sämtliche Ampelanlagen erfassen. Desweiteren konnten wir uns nur auf Ampelanlagen beschränken, es wäre jedoch wünschenswert, auch Geoinformationen zu taktilen Merkmalen wie Aufmerksamkeits- oder Leitstreifen bereitzustellen. Ein wesentlicher Fortschritt wäre die präzise, metergenaue Lokalisation der Position von Ampelanlagen, dazugehörigen Übergängen und einem Wegenetz von Fußgängerwegen. Die derzeit herrschende Problematik besteht darin, dass GPS auf der Basis amerikanischer Satelliten in Europa keine metergenaue Positionsbestimmung von Objekten zulässt. Dies verspricht durch die Einführung des europäischen GALILEO-Satellitennetzes in den nächsten Jahren besser zu werden. Erst durch eine präzise und vollständige Datenbasis kann eine, für Sehgeschädgte, sichere und zuverlässige Fußgängernavigation ermöglicht werden.

Literatur