5-Stufen-Modell

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Dieser Artikel wurde im WS 2007/08 an der FH Gießen-Friedberg erstellt und beschreibt den Glossareintrag "Das 5-Stufen-Modell" von Gilly Salmon im Fach MSP.

Das 5-Stufen-Modell

Das 5-Stufen-Modell von Gilly Salmon sieht fünf Stufen vor, welche im Lernprozess sozusagen vom E-Learning Anfänger bis hin zum E-Learning Profi durchlaufen werden:

  • Stufe 1: Zugang und Motivation
  • Stufe 2: Online-Sozialisation
  • Stufe 3: Informationsaustausch
  • Stufe 4: Wissenskonstruktion
  • Stufe 5: Entwicklung


Zur Person: Gilly Salmon

Gilly Salmon ist als Professorin für E-Learning und Lerntechnologien an der Universität in Leicester, UK, tätig. Sie arbeitete zuvor im Zentrum für Information und Innovation an der Open University Business School in Milton Keynes und sammelte jahrelange Erfahrungen in ihrer Tätigkeit als Moderatorin von Online-Kursen.


Die 5 Stufen

Der folgende Abschnitt beschreibt die einzelnen Phasen, deren wesentliche Kennzeichen und Fortschritte der Teilnehmenden auf der jeweiligen Stufe.


Stufe 1: Zugang und Motivation

Grundlage für die weiteren Phasen: Lösung technischer Probleme, Aufbau von persönlicher Motivation

Wie aus der Bezeichnung dieser Stufe bereits abgeleitet werden kan, geht es einerseits um den Zugang, d.h. um die Möglichkeit der Teilnehmenden, Computer gestützte Lernsysteme nutzen zu können, andererseits um den Aufbau von persönlicher Motivation. Ersteres bezieht sich auf die Installation von benötigter Software, die Verwendung spezieller Hardware einschließlich der Konfiguration des Systems. Hier soll sichergestellt werden, dass die Teilnehmer über eine geeignete Arbeitsumgebung verfügen, die es ihnen ermöglicht, optimal am E-Learning teilnehmen zu können.
Aufgaben zum Umgang mit dem System sollen den Beteiligten helfen, erste Hürden zu nehmen und sich selbstbewusst und motiviert in der Lernumgebung bewegen zu können.
Die erste Phase "Zugang und Motivation" bildet sozusagen die Grundlage für das weitere Vorgehen.


Stufe 2: Online-Sozialisation

Persönliche Aspekte: Kennenlernübungen / Gruppenbildung

Bei dieser Phase stehen die sozialen Beziehungen der Teilnehmer im Mittelpunkt. Ziel ist es, eine eigene Online-Identität zu entwickeln, die Identität anderer zu erkunden und mit ihnen zu agieren.
Vom Lehrenden entwickelte Kennenlernübungen sollen dazu beitragen, die Teilnehmenden miteinander in Kontakt zu bringen und so untereinander ein gewisses Vertrauen aufzubauen. Vom Teilnehmer wird mit dem Abschluss dieser Phase erwartet, dass er sich mit der Gruppe identifiziert.


Stufe 3: Informationsaustausch

Informationsstrukturierung / Entwicklung von Strategien gegen eine Informationsüberflutung

Nachdem die ersten Hürden technischer und persönlicher Natur genommen sind und E-Learning in vollem Umfang genutzt werden kann, beginnt ein reger und aktiver Informationsaustausch in dem neuen Medium. Kennzeichen für diese Stufe sind eine stärkere Ausnutzung von Funktionen der eingesetzten Software, aber auch eine Kooperation und gegenseitige Unterstützung der Teilnehmenden in ihren persönlichen Zielen.
Durch die auftretende Flut von Beiträgen ergibt sich die Forderung nach einem funktionierenden Informationsmanagement. Klassifizierung, Archivierung, Suchen, Ordnen und Strukturierung seien hier als Stichworte genannt.Daraus ergibt sich unmittelbar die Aufgabe des Lehrenden, Aufgaben zu stellen, die die Teilnehmer zur Verarbeitung der Lerninhalte, zur Strukturierung von Informationen und zum Austausch von Erkenntnissen anregen.


Stufe 4: Wissenskonstruktion

Intensivierung von Zusammenarbeit / Kooperation / Diskussion von Einzelergebnissen

Auf dieser Stufe zeigt sich eine Intensivierung von Zusammenarbeit zwischen den Teilnehmenden, Einzelergebnisse werden in kleinen Gruppen diskutiert, der reine Informationsaustausch steigert sich zu gemeinsamen Konstruktion von Wissen. Dies geschieht durch den Austausch von persönlichem Wissen, Meinungen / Erfahrungen in Bezug auf die Lerninhalte sowie einer kritischen Reflektion. Die Teilnehmer lernen von- und miteinander.
Aufgabe des Lehrenden ist es, den Teammitgliedern Aufgaben zu unterbreiten, welche die Kooperation zwischen den Teilnehmenden fördern und Prozesse zur Gruppenbildung unterstützen. Darüberhinaus soll eine zusammenfassende Thematisierung bzw. eine sinngemäße Verknüpfung von Prozessen von Seiten der Moderation erfolgen.


Stufe 5: Entwicklung

Persönliche Weiterentwicklung / Selbstorganisation / Übernahme von Verantwortung für das eigene Lernen

Kennzeichnend für diese Stufe ist die volle Übernahme der Verantwortung für das eigene Lernen, die Selbstbestimmung der Lerninhalte, die Selbstorganisation des Lernens und die Rollenverteilung innerhalb der Teilnehmergruppen. Das erreichte Niveau zeigt sich auch darin, dass der Lernprozess in seiner Gesamtheit betrachtet wird.
Die vom Lehrenden entwickelten Aufgaben unterstützen das selbstgesteuerte Lernen und sollen zur Bildung von autonomen Interessensgruppen anregen.


Exkurs: Blended Learning

Werden einige dieser Stufen als Präsenzveranstaltungen durchgeführt, d.h. die Vorteile von E-Learning mit denen von Präsenzveranstaltungen verknüpft, so spricht man auch von 'Blended Learning' (Integriertes Lernen).
Insbesondere die Durchführung von Stufe 1 und 2 als Präsenzveranstaltungen erwies sich in der Vergangenheit als durchaus sinnvoll, da durch ein persönliches Kennlernen eine höhere Verbindlichkeit erzielt wird.
Zur Effizienzsteigerung wäre auch eine Abänderung der Online-Phase "Wissenskonstruktion" als Präsenztermin zu überdenken, da die direkte Kommunikation bzw. der direkte Austausch von Wissen derzeit eher den persönlichen Bedürfnissen entspricht.


Literatur:
http://innoteach.bfh.ch/download/5-Stufen-Modell_nach_Salmon.pdf
http://www.wikipedia.de (Stichwort: E-Learning)